Neuer Zollkodex der Union: Die polnische TSL-Branche muss sich auf eine digitale Revolution vorbereiten
Die größte Transformation des EU-Zollsystems seit Jahrzehnten tritt in eine entscheidende Phase ein. Logistik- und Handelsunternehmen haben nur noch wenig Zeit, ihre Prozesse an die Anforderungen der Datenzentralisierung und vollständigen Digitalisierung anzupassen. Experten warnen: Ohne angemessene technologische und organisatorische Vorbereitung können Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit am Markt verlieren.
Das Jahr 2026 wird entscheidend für den Abschluss der Verhandlungen über den Neuen Zollkodex der Union (nUZK) sein, der die Funktionsweise des Zollsystems in der EU grundlegend verändern wird. „Das ist ein wichtiger Moment für Tausende von Unternehmen im internationalen Handel. Sie müssen sich auf die größte Transformation des Zollsystems seit Jahrzehnten vorbereiten“, sagt Joanna Porath, Inhaberin der Zollagentur AC Porath.
Die Reform, bekannt als Neuer Zollkodex der Union, sieht die Schaffung eines völlig neuen Zollsystems vor, das auf Datenzentralisierung und der Digitalisierung der Verfahren basiert. Zentrale Änderungen sollen schrittweise eingeführt werden – ab dem 1. März 2028 gelten neue Regeln für den E-Commerce, und die EU-Zollbehörde nimmt ihre Tätigkeit auf.
Die größte Herausforderung: Digitalisierung und Datenzentralisierung
„Vor der TSL-Branche liegt eine beispiellose technologische und organisatorische Herausforderung. Unternehmen müssen nicht nur in die Anpassung ihrer IT-Systeme an die neuen Standards investieren, sondern sich auch darauf einstellen, dass einige der bisherigen zollrechtlichen Vereinfachungen wegfallen“, betont Joanna Porath.
Das Fundament der Reform wird der EU Customs Data Hub sein – ein zentrales Portal, an das alle Unternehmen ihre Zolldaten übermitteln müssen. „Statt mit einzelnen Zollstellen zu kommunizieren, werden Unternehmen ihre Anmeldungen nur noch einmal in ein einziges System einreichen. Das klingt einfacher, erfordert jedoch Investitionen in neue IT-Lösungen“, erläutert Joanna Porath.
Zeitplan für die Umsetzung der Reform
Nach den aktuellen Festlegungen wird die Reform stufenweise eingeführt:
- 1. Januar 2028 – Aufnahme der Tätigkeit der EU-Zollbehörde
- 1. März 2028 – Einführung neuer Regeln für den E-Commerce, einschließlich der Abschaffung der Zollbefreiung für Sendungen bis 150 EUR sowie des Konzepts des „vermuteten Importeurs“
- ab 2028 – verpflichtende Einführung des EU Customs Data Hub für E-Commerce-Unternehmen
- ab 2032 – freiwillige Nutzung der Plattform für andere Unternehmen sowie Möglichkeit, den Status „Trust and Check“ zu beantragen
- 2038 – verpflichtende Nutzung des EU Customs Data Hub für alle Importeure in die EU
Neue Chancen – aber auch neue Herausforderungen
Auch wenn das langfristige Ziel der Reform die Vereinfachung der Zollverfahren ist, müssen Unternehmen in der Übergangsphase mit zusätzlichen Herausforderungen rechnen. „Im Rahmen der Modernisierung des Zollsystems wird ein Teil der bisherigen Vereinfachungen, die Unternehmen genutzt haben, zurückgenommen. Das kann Prozesse verlängern und die Effizienz der Lieferketten beeinflussen“, erklärt Joanna Porath.
Viele Änderungen betreffen den E-Commerce-Sektor. Die Abschaffung der Zollbefreiung für Waren mit einem Wert unter 150 EUR wird die Zahl der Zollanmeldungen drastisch erhöhen. „Jede Sendung – selbst mit minimalem Wert – muss ein vollständiges Zollverfahren durchlaufen. Für Logistikunternehmen ist das eine enorme operative Herausforderung“, ergänzt die Geschäftsführerin von AC Porath.
Die Reform führt außerdem eine vorteilhafte Lösung für Unternehmen ein: den Status „Trust and Check“. Er soll das derzeitige AEO-Programm schrittweise ersetzen und ausgewählten Unternehmen ermöglichen, Waren mit zollrechtlichen Vereinfachungen und Erleichterungen in die EU einzuführen. Ab 2032 werden diese Unternehmen mit einer einzigen Zollverwaltung für die gesamte EU zusammenarbeiten.
Wie geht es weiter?
Für Unternehmen im internationalen Handel ist es entscheidend, die Fortschritte der Gesetzgebungsarbeiten zu verfolgen und bereits jetzt mit den Vorbereitungen zu beginnen – insbesondere bei der Modernisierung der IT-Systeme und der Schulung des Personals.
„Die Reform der Zollunion ist nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine Chance, ein effizienteres und transparenteres Zollsystem aufzubauen. Unternehmen, die schon heute mit den Vorbereitungen beginnen – indem sie in moderne IT-Systeme investieren und ihr Personal schulen – werden in einer deutlich besseren Ausgangsposition sein, wenn die neuen Vorschriften in Kraft treten“, fasst Joanna Porath zusammen.